Landschaftszeichnungen/ Landscape drawings

Vulkane/ Volcanoes

Auf Stromboli entstanden diese Blätter. Jeden Tag stieg ich auf den Vulkan. Ein kaum erkennbarer Pfad führte senkrecht durch das Gestrüpp der verödeten Terrassen hinauf in eine andere Welt. Lautlos die schwarzen Hügel aus Vulkanasche und die senkrecht stehende Sonne; dann plötzlich flog Lava aus den Kratern, Rauch und Schwefel. Tagelang saß ich in der brütenden Sonne. Von oben rieselte Vulkanasche aufs Papier und hinterließ feine Kratzer auf dem Papier, wenn ich darüber zeichnete. 
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On Stromboli these sheets were created. Every day I climbed the volcano. A barely discernible path led vertically up through the scrub of the desolate terraces into another world. Silently the black hills of volcanic ash and the vertical sun; then suddenly lava flew from the craters, smoke and sulfur. For days I sat in the brooding sun. Volcanic ash trickled onto the paper from above and left fine scratches on the paper when I drew over it. 


Seen/ Lakes

Das Zeichnen der Landschaften war mein Erleben der Welt, meine Art, mir die Welt einzuverleiben. 
Du sitzt da, vor dir liegt die Landschaft und auf den Knien die Mappe mit dem Papier. Es ist anstrengend, entweder zu kalt oder zu heiß, windig, blendende Sonne, sogar bei Nebel versuchte ich zu zeichnen; oder es regnet, da ging es gar nicht, da war Schnee besser. Ich erinnere mich an eine Zeichnung im Schnee die ich fertigbekommen wollte. Ich hatte mir Socken über meine Hände gezogen aber meine Nase tropfte aufs Papier, außerdem musste ich vor Kälte heulen. Ich versuchte immer, perfekte Papiere zurückzubringen, solche Kleckse erkenne ich noch. Auch Fliegen kamen, vom weißen Papier angezogen, und ich ärgerte mich sehr, wenn sie dann auf mein schönes Papier machten.
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Drawing the landscapes was my experience of the world, my way of taking in the world. 
You sit there, the landscape is in front of you and on your knees is the folder with the paper. It's exhausting, either too cold or too hot, windy, blinding sun, even in fog I tried to draw; or it's raining, it didn't work at all, snow was better. I remember one drawing in the snow that I tried to finish. I had put socks over my hands but my nose was dripping on the paper, plus I was crying from the cold. I always tried to bring back perfect papers, I still recognize blobs like that. Also flies came, attracted by the white paper, and I was very annoyed when they then made on my beautiful paper.

Es ist eines der großen Motive von Segantini. Er starb beim Malen an Blinddarmdurchbruch. 
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It is one of the great motifs of Segantini. He died while painting from ruptured appendix. 

Lago Maggiore. 

Comer See. Die warme Luft liegt in den warmen Sommermonaten wie ein heller Schleier über dem See. Ich saß auf einer Felskante, die Welt lag ausgebreitet unter mir. Als Stift nahm ich einen Bleigriffel, die Zeichnung dauerte ewig und ist kaum sichtbar.
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Lake Como. The warm air lies like a bright veil over the lake in the warm summer months. 
I sat on a ledge, the world lay spread out below me. As a pencil I took a lead pencil, the drawing took forever and is barely visible.

Lago di Locarno.
Da ich am Nachmittag zu zeichnen beginne und aufhöre, wenn es zu dunkel wird, wandert das Licht in den Zeichnungen vom Nachmittag in den Abend. Andere Zeichnungen gehen von Sonnenaufgang bis zum Mittag. 
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Lago di Locarno.
Since I start drawing in the afternoon and stop when it gets too dark, the light in the drawings moves from afternoon to evening. Other drawings go from sunrise to noon. 

Nebel in den Dolomiten.
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Fog in the Dolomites.

Lac Léman. 
Nicht weit entfernt wohnte Balthus. Ich zeigt ihm diese Zeichnung. Die wichtigsten Sätze von Balthus notierte ich mir danach und legte sie zu meinen Zeichnungen die Mappe.
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Lake Geneva. 
Not far away lived Balthus. I showed him this drawing. I then wrote down the most important sentences of Balthus and put them in the folder together with my drawings.

Via Appia

Ich hatte das "Lightning Field" Walter de Marias in New Mexico besucht und Landart im Kopf. Nun saß ich auf einem Stein an der Via Appia und wollte zeichnend nach Süden wandern. Mit zwei Linien war die Straße fertig. Ich blieb sitzen und zeichnete dies und das, Zypressen, eine kleine Ruine, lief wochenlang durch die italienische Realität Richtung Süden. Straßenränder, Müll, glückliche und einsame Stunden.
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I had visited the "Lightning Field" by Walter de Maria in New Mexico and had land art on my mind. Sitting on a stone I wanted to make a walk on the Via Appia to the south. With two lines, the road was finished. I stayed seated and drew this and that, cypresses, a small ruin, walked south for weeks through the Italian reality. Roadsides, garbage, happy and lonely hours.

Pakistan

2001/2002 während einer zweimonatigen Reise entlang des Flusses Indus von seiner Quelle bis zum großen Strom (Karakorum/ Kaschmir) entstand eine Sammlung von Landschaftszeichnungen. Während ich vor meinen Motiven saß, kamen Menschen
aus den benachbarten Dörfern vorbei. Sie waren gläubige Muslime und verhielten
sich entsprechend dem Abbildungsverbot, nirgends in den Häusern gab es Fotografien oder Bilder. Trotzdem waren sie stolz darauf, dass ich mich ihrer Heimat, Gottes Schöpfung, widmete. Ein vorbeikommender Mann des Dorfes ermahnte mich aber, keine Menschen abzubilden.

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In 2001/2002 during a two-month journey along the river Indus from its well to the great river (Karakorum/ Kashmir) I created a collection of landscape drawings. While I was sitting in front of my motifs, people from the neighboring villages passed by. They were devout Muslims and behaved in accordance with the ban on images; there were no photographs or pictures anywhere in the houses. Nevertheless, they were proud that I dedicated myself to their home, God's creation. However, a passing man of the village admonished me not to depict people.

Am Rande des Kaschmir-Gebirges zeichnete ich einen Bergbach, der sich Richtung Indus hinunterstürzte. Das Tosen des Wassers erfüllte die Schlucht und verdrängte alle Gedanken. Ein schmaler Fußweg führte über eine aus Felsbrocken und Holzstämmen errichtete Brücke. Eine kleine schwarze Fahne, eher ein Wimpel, flatterte an einem Stab in der kühlen, feuchten Luft. Abends liefen junge Frauen des nahen Bergdorfes in gelbe, hellblaue, orange und weiße Baumwolltücher gekleidet den Weg zur Brücke hinunter, um sich an dem Lärm des Wassers zu erfreuen. Sie lachten und riefen sich Dinge zu, ohne sich verstehen zu können.

Später wurde mir erzählt, dass die Brücke vor kurzer Zeit von zwei Männern instandgesetzt wurde. Der alte Mann rutschte ab, stürzte ins Wasser und wurde nicht mehr gefunden. Für ihn wehte die kleine schwarze Fahne.
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On the edge of the Kashmir mountains, I drew a mountain stream rushing down towards the Indus. The roar of the water filled the gorge and displaced all thoughts. A narrow footpath led over a bridge built of boulders and logs. A small black flag, more like a pennant, fluttered on a staff in the cool, damp air. In the evening, young women from the nearby mountain village walked around dressed in yellow, light blue, orange and white cotton cloths, walked down the path to the bridge to enjoy the noise of the water. They laughed and shouted things to each other without being able to understand each other.
Later I was told that the bridge had been repaired a short time ago by two men. The old man slipped and fell into the water and was never found. For him flew the little black flag.

Die badenden Jungs sahen mir in ihren nassen Hosen stundenlang beim Zeichnen zu. Wenn sie badeten, zeichnete ich sie auf kleine Zettel, die ich schnell versteckte, wenn sie wieder zu mir kamen, um zuzusehen.

Am Ende der Reise fügte ich die Badenden in die Zeichnung ein.
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The bathing boys would watch me draw for hours in their wet pants. When they bathed, I drew them on little pieces of paper, which I quickly hid when they came back to me to watch. 
At the end of the trip, I added the bathers to the drawing.

Veduten/ Vedutas

In Fels gehauene Architektur in Kampanien (Italien) und Kappadokien (Türkei)
Ich zeichne oder male immer vor Ort, ein weiteres Atelier habe ich nicht. Eine Landschaft zu malen, bedeutet für mich, in ihr zu sein und ein Teil von ihr zu sein. Wenn ich beim Zeichnen sitze, wandert mein Blick durch die Landschaft. Die in Fels gehauenen Häuser sind meist verlassen, oft an abgelegenen Orten, die einst von Gärten umgeben und voller Leben waren. Es gibt Scheunen, Kirchen, Grabkapellen, aber auch Bienenhäuser, Gartenschuppen usw. Manchmal verbringe ich die Nacht in den Höhlenräumen. Ich male, als ob sie meine Erfindungen und mein Eigentum wären, ein Teil von mir, "un casa come me". 
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Rock-cut architecture in Campania (Italy) and Cappadocia (Turkey)
I always draw or paint on site, I do not have another studio. Painting a landscape means for me to be in it and a part of it. If I sit while drawing, my eyes wander through the landscape. The rock-cut houses are mostly abandoned, often in remote places that were once surrounded by gardens and full of life. There are barns, churches, burial chapels, but also bee houses, garden sheds, etc. Sometimes I spend the night in the cave rooms. I paint as if they were my inventions and my property, a part of me, "un casa come me". 

Die Felshäuser der Türkei male ich mit Steinerden auf selbst grundierte Leinwände, die ich auf die Reise mitnehme. Zwei größere Leinwände kann ich unterm Arm tragen, sechs kleinere schnalle ich auf den Rucksack. 
Sie entstehen ähnlich wie die Zeichnungen, vor Ort. 
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I paint the rock-cut houses of Turkey with earth pigments on self-primed canvases, which I take with me on the trip. Two larger canvases I can carry under the arm, six smaller I strap on the backpack. 
They are created similar to the drawings, on site. 

Porträts/ Portraits

Ich zeichne etwa lebensgroß mit einfacher Holzkohle. Die lässt sich auf glattem Papier leicht wieder wegwischen und so bleibt alles veränderbar, können ein Blick noch verändert oder geschlossene Lippen leicht geöffnet werden. Ich liebe es, ein Gesicht mit den Augen zu durchwandern. Und ich bin froh, beim Kunstmachen nicht allein zu sein. Das ist der Unterschied zum Landschaftszeichnen.
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I draw about life-size with simple charcoal. This can be easily wiped away again on smooth paper and so everything remains changeable, a look can still be changed or closed lips slightly opened. I love to walk a face with my eyes. And I'm glad not to be alone when making art. That's the difference with landscape drawing.

Bäume/ Trees

2019 wurde Clärchens Ballhaus verkauft, unser Mietvertrag wurde nicht verlängert und der Betrieb war für uns und die Kellner, Musiker und Köche vorbei. Auch die Projekte Monbijou Theater und Märchenhütte fielen auseinander, für die Gebäude im Park gab es keine weiteren Genehmigungen, und auch der Theaterbetrieb wurde eingestellt. Um mich herum war ein Trümmerhaufen.
Der Sommer kam und ich ging zum Zeichnen in die Buchenwälder der Mecklenburgischen Seenplatte: 
"Ich sitze unter hohen, frei lebenden Bäumen, die um ein Vielfaches älter sind als ich, meist mit dem Rücken an einen der Stämme gelehnt. Zum Zeichnen brauche ich ein verkohltes Ästchen - die Holzkohle - und das Papier. Tiere flattern zwischen den Bäumen oder rascheln in den Blättern. Wenn ich müde werde, kippe ich auf die Seite und schlafe auf dem Waldboden."
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In 2019 Clärchens Ballhaus was sold, our lease was not renewed and the operation was over for us and waiters, musicians and cooks. The Monbijou Theater and Märchenhütte projects also fell apart, there were no further permits for the buildings in the park, and theater operations ceased too.  Around me was a pile of rubble.
Summer came and I went to draw in the beech forests of the Mecklenburg lake district: 
"I sit under tall, open trees that are many times older than me, usually leaning my back against one of the trunks. To draw, I need a charred branch - the charcoal - and the paper.  Animals flutter between the trees or rustle in the leaves. If I get tired, I tip over to the side and sleep on the forest floor."